Der Start ist für 21. Mai 2026 geplant. Liftoff erfolgt von Pad 2, der frisch fertiggestellten zweiten Startanlage in Starbase, Texas. Alle elf bisherigen Starship-Flüge starteten von Pad 1.

Der Flug ist erneut suborbital – Starship erreicht keine vollständige Umlaufbahn, sondern landet nach einem halben Erdumlauf im Indischen Ozean. SpaceX verzichtet bei diesem Flug auf jeden Recovery-Versuch: Sowohl der Super Heavy Booster als auch das Starship-Oberstufenfahrzeug sollen kontrolliert im Wasser splashen. Der spektakuläre Mechazilla-Catch des Boosters – bei Flug 5 erstmals gelungen – bleibt diesmal aus, weil das V3-Hardware-Paket zu viele neue Variablen einführt.

Die Mission-Ziele laut SpaceX und unabhängigen Beobachtern:

  • Ascent-Performance des neuen V3-Stacks unter realen Bedingungen testen
  • Validierung der 33 neuen Raptor-3-Triebwerke im Cluster-Betrieb
  • Erstmaliger Betrieb von Pad 2 inklusive der neuen Wasserkühlung
  • Daten für die spätere Refueling-Architektur sammeln (Quick-Disconnect-Plates sind verbaut)
  • Hitzeschild-Verhalten des überarbeiteten Tile-Layouts beim Wiedereintritt

Was V3 anders macht

Starship V3 ist äußerlich nur unwesentlich gewachsen – 124,4 statt 123,1 Meter, derselbe 9-Meter-Durchmesser. Die wirklichen Veränderungen stecken im Inneren:

Die Nutzlastkapazität soll auf über 100 Tonnen in den niedrigen Erdorbit steigen (LEO, wiederverwendbare Konfiguration). Zum Vergleich: Starship V2 schaffte demonstriert etwa 35 Tonnen. Im Expendable-Modus, also ohne Hardware-Rückführung, sind nach Schätzungen 180 bis 200 Tonnen drin – das wäre mehr als die Saturn V, die Apollo-Mondrakete.

Möglich wird das durch eine Tank-Neuanordnung: Die gemeinsame Trennwand zwischen Methan- und Sauerstofftank ("common dome") wurde nach unten verschoben, der aft dome ebenfalls. Das vergrößert beide Treibstoffvolumina spürbar, ohne das Vehicle deutlich zu strecken. Der Booster ist mit 72,3 Metern etwa 1,3 Meter länger als V2.

Die Grid Fins am Booster sind 50 Prozent größer und mit neuen Aufnahmen für den späteren Tower-Catch ausgestattet. Ship 39 hat erstmals dedizierte Catch-Punkte am Rumpf – die Stellen, an denen die Chopstick-Arme des Startturms später auch die Oberstufe greifen sollen.

Raptor 3: Schub ohne Hitzeschild

Das Herzstück der V3-Generation ist die dritte Generation der Raptor-Triebwerke. Raptor 3 liefert 280 Tonnenkraft Schub auf Meereshöhe – Raptor 2 schaffte 230 Tonnenkraft. Die Vakuum-Variante kommt auf 275 Tonnenkraft. Der spezifische Impuls liegt bei rund 350 Sekunden, das Trockengewicht unter 1.525 Kilogramm. Bei 33 Triebwerken im Booster ergibt das einen Gesamtschub von rund 9.200 Tonnenkraft – knapp 25 Prozent mehr als die V2-Konfiguration.

Konstruktiv ist Raptor 3 vor allem simpler geworden. Externe Hitzeschilde, die bei Raptor 2 noch nötig waren, fallen weg: Alle hitzekritischen Komponenten sind ins Triebwerk integriert und werden regenerativ gekühlt. Externe Leitungen sind deutlich reduziert, was Masse spart und die Fertigung beschleunigt. Im SpaceX-Testgelände in McGregor wurden zuletzt mehr als zehn Raptor-3-Heißläufe pro Woche durchgeführt.

Starship V3

Die ungelöste Aufgabe: Orbital Refueling

Hier wird es kritisch. Starship kann nicht direkt zum Mond fliegen – die Rakete reicht physikalisch gerade bis in den niedrigen Erdorbit. Für jede Mond-Mission müssen etwa 10 bis 12 Tanker-Starships denselben Orbit erreichen, an einen Treibstoff-Depot andocken und tonnenweise flüssiges Methan und Sauerstoff übergeben. Erst danach kann das Lander-Starship Richtung Mond aufbrechen.

Das Problem: Kryogener Treibstofftransfer zwischen Raumfahrzeugen wurde noch nie gemacht. Die NASA-Sicherheitskommission ASAP nannte den Zeitplan im September 2025 "deutlich gefährdet" und mahnte, das HLS-Programm könne "um Jahre zu spät" für ein Artemis-III-Mondlanding 2027 kommen. Konkrete Hürden:

  • Boil-off: Flüssiges Methan bei -161 °C und LOX bei -183 °C verdampfen im Orbit ständig. Pro Tag gehen merkliche Mengen verloren.
  • Docking-Präzision: Zwei 124-Meter-Vehicles müssen sich im Orbit treffen und exakt verkoppeln, mit Treibstoffleitungen, die unter kryogenen Bedingungen dichthalten.
  • Tanker-Kadenz: Damit der Treibstoff im Depot nicht zu schnell wegkocht, müssten die 10-12 Tanker-Flüge in Wochen, nicht Monaten abgeschlossen werden.

Flight 12 trägt noch keinen Refueling-Test in sich, demonstriert aber die Hardware-Bausteine: Die neuen Quick-Disconnect-Plates am Ship sind bereits sichtbar, die Docking-Hardware verbaut. Der erste echte Ship-to-Ship-Transfer ist frühestens für 2027 angesetzt.

Was bei Artemis auf dem Spiel steht

Die NASA hat Artemis III im Februar 2026 grundlegend umgeplant. Statt eines Mondlandings führt die Mission jetzt nur noch Rendezvous- und Docking-Tests im niedrigen Erdorbit zwischen Orion-Kapsel und HLS-Lander durch. Die erste bemannte Mondlandung verschiebt sich auf Artemis IV, geplant für 2028. Beide Landeranbieter – SpaceX mit Starship und Blue Origin mit Blue Moon – müssen vorher unbemannte Mondlandungen demonstrieren.

Für SpaceX bedeutet das konkret: Das HLS-Starship muss bis Mitte 2027 vollständig refueling-fähig, hitzeschild-zertifiziert und mit Lebenserhaltungssystemen ausgestattet sein. Die nächsten 18 Monate werden die Flugkadenz dramatisch erhöhen müssen. Jeder Fehlschlag ab Flight 12 verschiebt den Zeitplan weiter.

Mars: Der eigentliche Zweck

Während die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Mond fixiert ist, hat SpaceX-CEO Elon Musk wiederholt klargestellt, dass Starship primär für Mars entwickelt wurde. Das aktuelle Marschall-Roadmap-Ziel: Mars-Cargo-Missionen ab 2030, bemannte Flüge danach, ein Preisziel von 100 Millionen Dollar pro Tonne Mars-Fracht. Diese Zahlen stehen unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass Orbital-Refueling funktioniert.

Realistische Einschätzung: Selbst bei optimaler Programmentwicklung dürfte der erste unbemannte Mars-Cargo-Flug nicht vor dem Erde-Mars-Transferfenster 2031 stattfinden. Eine bemannte Mission liegt mindestens ein weiteres Transferfenster (etwa 2033) entfernt – wenn überhaupt.

Was Flight 12 für die Menschheit bedeutet

Die nüchterne Bewertung trennt zwei Ebenen. Kurzfristig beweist Flight 12 lediglich, dass eine neue Triebwerksgeneration und ein neuer Tank-Layout flugfähig sind. Das ist ingenieurtechnisch beachtlich, aber kein Quantensprung.

Mittel- und langfristig stehen jedoch grundsätzliche Fragen auf dem Prüfstand:

  • Kann Raumfahrt günstig werden? Starship V3 hat ein Nutzlastvolumen von über 1.000 Kubikmetern – etwa so viel wie die gesamte Internationale Raumstation. Wenn die Wiederverwendung wie geplant funktioniert, könnten die Kosten pro Kilogramm in den Orbit von aktuell rund 2.000 Dollar (Falcon 9) auf wenige hundert Dollar fallen. Das würde Wissenschaft, Kommunikationsinfrastruktur und industrielle Anwendungen im Weltraum fundamental verändern.
  • Wird die Mondbasis Realität? Die Artemis-Architektur sieht eine permanente Mond-Präsenz ab den 2030ern vor. Ohne Starship als Cargo-Lander ist diese Vision nicht finanzierbar.
  • Wird Mars zur zweiten Heimat? Diese Frage liegt noch eine Größenordnung weiter weg – jenseits aller technischen Zwischenschritte braucht es geschlossene Lebenserhaltungssysteme, Strahlenschutz und eine politische Architektur, die in keinem aktuellen Vertragswerk existiert.

Realistischer Ausblick

Erfolg oder Misserfolg am 21 Mai entscheidet keine dieser Fragen abschließend – aber er setzt den Takt für die nächsten Jahre. Wenn Booster 19 und Ship 39 ihre Splashdowns kontrolliert absolvieren und die Telemetrie-Daten brauchbar zurückkommen, ist SpaceX auf Kurs. Bei einer Anomalie verzögert sich das gesamte Programm – und mit ihm Artemis. Die elf bisherigen Testflüge hatten eine gemischte Bilanz: vom Pad-Crash bei Flight 1 über den ersten erfolgreichen Mechazilla-Catch bei Flight 5 bis hin zu Re-Entry-Tests, die teilweise scheiterten. Iterative Entwicklung bedeutet, dass Fehlschläge eingeplant sind.

Wer den Start verfolgen möchte: SpaceX überträgt live auf X und der eigenen Website, die NASA TV ebenfalls. Realistischer Tipp: Den Live-Stream ein paar Minuten vor 00:30 Uhr MESZ in der Nacht zum 20. Mai öffnen – Verschiebungen im letzten Moment sind bei Starship-Flügen die Regel, nicht die Ausnahme.

Quellen: SpaceX Mission-Updates, Space.com, Spaceflight Now, NASASpaceFlight.com, New Space Economy, NASA-ASAP-Bericht September 2025, Wikipedia (Artemis III)